2018
Jáchym Fleig / Herbert Warmuth 
EINUNDZWANZIG ANSICHTEN EINES KUNSTVEREINS, Neuer Kunstverein Gießen

 

 

2017

STRUKTURreFORM
Jachym Fleig
Opening: 11 May 2017, 7PM
12 May – 17 June 2017

STRUKTURreFORM can be understood as a word combination that characterises the practice of the artist in general. His oversized sculptures reminiscent of nature and living organisms, invade non-organic structures like building, interiors and furniture created by man. His works extend the conventional concept of sculpture; that of shaping out or sculpting the rocks or other nature materials into concrete shapes; by visualising the opposite of the traditional definition of sculpture. Fleig indeed creates works that look like stones, stalactites and other natural materials emphasizing their formal growth process. His almost parasitic structures seem to occupy everything they can; the main wall of our exhibition space, the entrance of the gallery, expanding in the hallway of Atelier Frankfurt.

Through the strategy of occupation Fleig turns his focus not only in the structures he creates but as well as on the structures and forms they seem to invade. It is the relationship between the parasitic forms and their host that is of special interest for the artist and where he is trying to direct the attention of the public into. By doing so he intelligently overtakes the public or the private space making them part of the work and indirectly raising questions about the relationship between human, nature and technological growth.

The type of symbiotic relationship of parasite and host, that Fleig’s works seem to evoke, is part of every highly developed biological system and a phenomenon that can as well be observed outside the biological context. But his sculptures are biomorphic forms created out of concrete, plaster, sand and other inert materials or better to say a constructed reality or a camouflage. They visualise something they are not. Thereby confronting the viewer with two constructed realities both created by man and emphasizing their dysfunctional relationship. As a consequence of the intrusion the functionality of the host is hindered and put into question, but at the same time the existence and the provenience of the parasite too.

Through the form and materiality a dispute over what is given and the setting in which it is being presented emerges, opening up possibility for assotiations and discussions. Although highly aesthetical and outonomus, Jáchym Fleig’s art works inderectly reflect about present and future life challenges, turning his practice into an engaged one.

Text: Adela Demetja
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STRUKTURreFORM kann als ein Wortspiel verstanden werden, das grundsätzlich Fleigs künstlerische Praxis kennzeichnet. Seine überdimensionalen Skulpturen erinnern an Natur und lebende Organismen, die unorganische, von Menschen geschaffene Strukturen wie Gebäude, Innenräume und Möbel befallen. Seine Arbeiten erweitern das konventionelle Konzept der Skulptur, aus Steinen oder anderen Naturmaterialien konkrete Formen zu meißeln, indem sie das Gegenteil der traditionellen Definition der Skulptur verbildlichen.

Tatsächlich schafft Fleig Arbeiten, die wie Steine, Stalaktiten oder andere Naturmaterialien aussehen und den Wachstumsprozess betonen. Seine scheinbar parasitischen Strukturen scheinen, alles, was sie können zu besetzen: die zentrale Wand im Ausstellungsraum, den Eingang der Galerie, den Flur des AtelierFrankfurt vor unseren Räumen. Durch die Strategie der Okkupation fokussiert er nicht nur die Strukturen, die er schafft, sondern auch auf die Strukturen und Formen, die sie einzunehmen scheinen. In diesem Verhältnis zwischen parasitischer Form und ihrem Wirt liegt das besondere Interesse des Künstlers, auf das er auch das Augenmerk des Betrachters lenken will. Dafür nimmt er auf intelligente Weise den öffentlichen oder privaten Raum ein und wirft so indirekt Fragen über das Verhältnis von Mensch, Natur und technologischen Wachstum auf.

Die Art des symbiotischen Verhältnisses von Parasit und Wirt, dass Fleigs Arbeiten hervorzurufen scheinen, ist Teil jedes hoch entwickelten biologischen Systems und ein Phänomen, dass auch außerhalb des biologischen Kontext beobachten werden kann.

Aber diese Skulpturen sind biomorphe Formen, geschaffen aus Beton, Gips, Sand oder anderen trägen Materialien, oder vielleicht noch besser konstruierte Wirklichkeiten oder eine Form der Camouflage. Sie visualisieren etwas, was sie nicht sind. Dabei konfrontieren sie den Betrachter mit zwei vom Menschen konstruierten Wirklichkeiten und heben ihre dysfunktionale Beziehung hervor. Als Folge dieses Eingriffs ist die Funktionsfähigkeit des Wirtes gehindert und infrage gestellt, gleichzeitig aber auch die Existenz und die Herkunft des Parasiten. 

Durch die Form und Materialität des Dargestellten und dem Kontext in welchem es präsentiert wird entsteht eine Auseinandersetzung, die Möglichkeiten für Assoziation und Diskussion eröffnet. Obwohl Jáchym Fleigs Werke äußerst ästhetisch und autonom sind, reflektieren sie indirekt über heutige und zukünftige Herausforderungen im Leben. Dadurch kann seine künstlerische Praxis als engagiert verstanden werden.

Text: Adela Demetja