ARE YOU A GINGER?

10. September 2016 bis 28. Oktober 2016

Die erste Solopräsentation „Are You a Ginger?“ von Il-Jin Atem Choi in der Galerie Heike Strelow will einen konzentrierten Überblick in die komplexe Arbeitsweise des deutsch-koreanischen Künstlers geben. Sub- und Undergroundkultur und ihre künstlerischen Produkte in Musik, Film und Literatur dienen dem Künstler als alternativen Weg, den eigenen Lebensraum zu lesen, zu erfahren und zu dekonstruieren. Seine Ästhetik ist beeinflusst von Elementen und Prozessen, die zunächst diverser Undergroundkulturen (Graffiti, Comedy etc.) entnommen wurden, um dann, verfeinert, in neues visuelles Material umgewandelt zu werden. Atem Choi interessiert sich für den Prozess der Transformation und dessen Visualisierung –   genau hier liegt das Potential seiner Arbeiten.

Die unterirdischen Wurzeln des Ingwer stehen exemplarisch für eine rhizomatische Wachstumsstruktur. Das Rhizom ist ein philosophisches Konzept, das von Gilles Deleuze and Fèlix Guattari in Tausend Plateaus: Kapitalismus und Schizophrenie als Metapher für ein Denkmodell und alternativen Weg, Gesellschaft und Kultur wahrzunehmen, konzipiert wurde. Die Rhizomstruktur dehnt sich nur horizontal und hierarchielos aus, hat keinen Anfang und kein Ende und kann sich gleichzeitig in alle Richtungen ausbreiten.

Atem Chois Arbeiten haben einen rhizomatischen Charakter, sind nicht-linear, versuchen Hierarchien in Inhalt und Form zu entkommen, erlauben zahlreiche und weitreichende Assoziationen und zielen mehr darauf Verbindungen zu schaffen als Erklärungen zu geben.

Die Ausstellung „Are You a Ginger?“ ist ebenfalls wie ein Rhizom strukturiert und bietet ein detailliertes und komplexes offenes System an, welches direkte Beziehungen aller gezeigten Arbeiten untereinander erlaubt. Atem Choi ist ein prozessorientierter Künstler. Sowohl die Struktur der Ausstellung als auch seine künstlerische Arbeitsweise unterstreichen diesen Moment des Prozesses.

Ohne direkte Bezüge zur gegenwärtigen Abhängigkeit der Menschen von Rohstoffen und nicht unbedingt als kritische Antwort darauf, benutzt Atem Choi eine begrenzte Anzahl von Materialien: Papier, Sprühfarbe, Kunstharz, Tusche, Karton, Styropor, Leinwand und letztendlich auch Räume. Die Ausstellung besteht aus Malerei, Skulptur, Arbeiten auf Papier und Installationen, die an die Atmosphäre in seinem Atelier erinnern und die vernetzende Arbeitsweise des Künstlers visualisieren. Er arbeitet gleichzeitig an verschiedenen Orten und seine Arbeiten wachsen und dehnen sich horizontal in verschiedene Richtungen aus. Der Künstler ist dabei immer im Zentrum verortet. Gleiches gilt auch für sein Werk, das jedes konkrete Ende so gut wie möglich vermeidet.

Die Kunstwerke von Il-Jin Atem Choi sind eine Ausdehnung seiner Person und ein zweiter Körper des Künstlers – sie bilden ein horizontales, unhierarchisches, anarchistisches, nomadisches, deterritorialisiertes und heterogenes Werk, das sich dem Vertikalen und dem steifen heutigen Establishment widersetzt und dieses herausfordert. (Adela Demetja)

Il-Jin Atem Choi (geboren 1981 in Moers) begann als Teenager seinen Künstlernamen „Atem“ in öffentlichen Räumen zu sprühen, bevor er nach Maastricht zog, um dort International Business zu studieren. Nach seinem Abschluss zog es ihn an die Städelschule, wo er 2012 ein Kunststudium bei Professor Tobias Rehberger begann. Mittlerweile hat er an zahlreichen Ausstellungen in Europa und den USA teilgenommen und seine Werke sind Teil wichtiger privater Sammlungen in Europa.